Osternacht 2020 als Video und Lesegottesdienst

Liebe Besucher*innen, anbei finden Sie ein zuvor produziertes Video der Osternacht 2020 (Kristina Holler, Bruno Schumann und Peter Söder haben die Lieder eingespielt, die Texte spricht Pfr. Söder. Technik und Schnitt: Bruno Schumann). Außerdem finden Sie hier den Lesegottesdienst zu Ostern. Allen ein gesegnetes Osterfest!

 

Osternachtvideo: https://www.youtube.com/watch?v=zaNknJ8lhCE&t=491s

 

Lesegottesdienst zu Ostern 2020

 

Liebe Gemeinde, ich grüße sie alle ganz herzlich zu unserem Gottesdienst, heute am Osterfest!

Wohl fast zu allen Zeiten haben sich die Christen an diesem Tag begrüßt mit den Worten: „Der Herr ist auferstanden –und der Antwort: er ist wahrhaftig auferstanden.“

Und somit möchte ich auch sie heute alle so grüßen: „Der Herr ist auferstanden!“

 

Im Spruch für diesen Tag aus Off 1,18 spricht der auferstandene Christus uns selber dieses zu. Dort heißt es:

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“

 

Mit diesem Tagesspruch ist auch der Grund der Freude uns schon gesagt: Christus hat nicht nur für sich selbst den Tod überwunden. Nein, in seiner Auferstehung hat er für uns alle den Tod besiegt und den Weg ins Leben geebnet.

Dies wollen wir heute feiern. Und wir tun das im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Gottesdienst, ganz gleich wo wir uns versammeln, ob vor dem Computer, dem Handy oder der gedruckten Predigt.

 

Lassen sie uns heute am Tag der Neuschöpfung den Gottesdienst beginnen mit einem Schöpfungslied: „Morgenlicht leuchtet“: 455,1-3

 

Tagesgebet:

Ostern, Aufstand des Lebens gegen den Tod. Noch ist unser Leben vom Tod gezeichnet.

Ostern, Aufstand der Freude gegen das Leid. Noch ist unser Leben vom Leid gezeichnet.

Nur ahnend erfassen wir das Neue. Doch wir trauen dir, Gott, zu, dass du alle und alles verwandelst und dein Osterlicht heute durch uns leuchten lässt. Darum beten wir zu dir im Namen Jesu. Amen.

 

Singen oder lesen wir Lied 100, 1.3-4: „Wir wollen alle fröhlich sein“

 


Predigt

Der Predigttext für das Osterfest 20 steht in 1. Kor 15,19-28:

19 Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. 20 Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.

21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. 22 Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden. 23 Ein jeder aber in seiner Ordnung: als Erstling Christus; danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören; 24 danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat. 25 Denn er muss herrschen, bis Gott ihm »alle Feinde unter seine Füße legt« (Psalm 110,1). 26 Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. 27 Denn »alles hat er unter seine Füße getan« (Psalm 8,7). Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. 28 Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem.

 

Liebe Gemeinde, es ist faszinierend, wie der Apostel Paulus versucht, das, was wir so schwer beschreiben können, in logische Worte zu fassen. Welch beeindruckende Kette der Gedanken führt er an, welch Mühe und Liebe legt er, Paulus, in diese Verse.

Es ist eine Logik und eine Eindringlichkeit, die uns allen dieser Tage vielleicht etwas abgeht. Die Welt hat sich verändert. Grundlegend verändert. Nichts ist, wie es war. Zumindest für eine längere Zeit. Und noch wissen wir nicht, wann oder sogar ob alles wieder wird, wie zuvor. Doch das, was wir gerade erleben, diese grundlegende Veränderung, die hatte auch damals das Leben aller ergriffen.

Zunächst die Frauen am Grab, die vor Angst und Furcht flüchteten. Dann die Jünger, die (vor allem Thomas) erst glauben konnten, als der Auferstandene tatsächlich erschien.

Und dann Paulus selbst. Zunächst als Verfolger der Christen unterwegs, als „Saulus“, wurde er in einer Vision davon überzeugt, dass Jesus auferstanden ist. Sein Leben änderte sich noch mehr, als das Leben der anderen Jünger. Er wurde sprichwörtlich „vom Saulus zum Paulus“, vom Verfolger zum ersten Missionar, der fast „weltweit“ agierte. Und der somit die Welt mit Ostern konfrontierte.

 

Und nun trifft das Geschehen von Ostern vor rund 2000 Jahren auf uns und unser Leben heute. Auf ein verändertes Leben. Das Außergewöhnliche begegnet dem Außergewöhnlichen.

 

Was aber ist dieses Außergewöhnliche an Ostern?

In den ersten Versen des Predigttextes, in Vers 15+16, führt Paulus das eigentlich schon aus: „Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.

Paulus sagt damit, dass das, was an Ostern geschehen ist, immer über diese Welt, über die konkreten Sorgen und Nöte und über die Ängste hinaus deutet. Ja, Ostern hat nicht nur eine Relevanz für die, die leben, sondern eben auch für die, die an das Ende denken und die irdische Endlichkeit vor Augen haben.

 

Relevanz über den Tod hinaus

Das Geschehen von Ostern öffnet den Blick in eine neue Welt. In ein neues Dasein. In eine neue Form des Lebens und der Liebe.

Gott hat sich zu dieser seiner Welt bekannt. Er ist ein Teil der Schöpfung, ein Teil von uns Menschen geworden. Und das bis in die äußerste Äußerlichkeit des Lebens, bis in den Tod. Dieser Tod aber hat Jesus als wahren Menschen nicht festhalten können. Der vermeintliche Sieg des Todes – drei Tage lang – ging über in den alles überwindenden Sieg des Lebens. Damit aber machte Gott in Jesus deutlich, dass keine Macht, dass nichts und niemand, uns jemals für immer von der Lebendigkeit der Ewigkeit abschneiden könnte.

Es ist damit auch ein Sieg über die Sorgen und Ängste, die wir im Leben spüren. Auch hier gilt: der letzte Sieg gehört dem Leben. Dem Leben, das Gott am Anfang schuf, und das er am Ende und für alle Zeit erhält.

 

Bedeutung für das Leben

Dass Gott dabei den unbedingten Willen zum Leben hat, das zeigt die ganze Geschichte. Es ist eine stets wiederkehrende Erzählung des Lebens und der Befreiung: die Schöpfung zu Beginn, die Befreiung aus der Knechtschaft und Sklaverei des Volks in Ägypten, die Hoffnungen und Visionen der Propheten, die das Leben andeuteten – und schließlich die Überwindung des Todes durch Jesus selbst.

All das mag uns aber immer wieder neu zeigen, dass wir dieses Leben mit Lust und Freude leben und angehen dürfen. Auch dann, wenn alles so dunkel und unklar erscheint. Denn das wahre Leben lässt sich nicht in Geld und Macht erleben, sondern vielmehr in der Lebendigkeit der Liebe und der Zuwendung; der Zuwendung Gottes zum Menschen und der Zuwendung des Menschen zum Mitmenschen.

 

Ostern 2020

Für das Osterfest 2020 heißt das für mich, dass wir all unsere Sorgen und Nöte dem abgeben mögen, der am Kreuze hin und den Tod überwunden hat.

Es heißt aber auch, dass wir alle eine Verantwortung füreinander haben. Für die, die in großen Nöten sind – finanzieller oder persönlicher Art -, aber auch für die, die einfach ein gutes Wort, einen Gedanken, eine Zuwendung brauchen.

Die Schöpfung Gottes ist durch ihn befreit. Befreit, um ohne Angst und Schrecken einander beizustehen. So, wie Gott es getan hat für uns, so dürfen wir es füreinander tun.

Somit lassen wir uns anstecken von der österlichen Freude. Lassen wir uns aber auch anstecken vom Einsatz für das Leben von allen.

Denn wir dürfen im Leben und im Sterben, im Sorgen und in der Hoffnung immer Vertrauen haben, dass Gott uns niemals verlässt. Ja noch mehr, dass er uns befreit hat, um uns gegenseitig zu begleiten, zu halten und zu tragen.

Mag das alles an Ostern 2020 umso mehr gelten. Amen.

 

Fürbitten

Guter Gott, wir danken dir für das Wunder deines Ostermorgens: für die wärmende Sonne, die aufgegangen ist nach einer langen Nacht. Wir danken dir, dass du Jesus Christus auferweckt hast von den Toten.

Darum bitten wir dich: Lass den Morgen, der die Verwandlung vom Tod zum Leben für uns gebracht hat, auch in uns aufgehen und mit uns weitergehen: Richte uns auf. Trockne unsere Tränen.

Verwandle Ängste in Zuversicht. Alle Ängste, die uns dieses Jahr ganz neu befallen haben – und alle alten Lebensängste. Stärke den Glauben. Hilf, dass der Glaube mit uns weitergeht.

Hilf, aufzustehen gegen Kälte, Gleichgültigkeit und Gewalt. Hilf, denen beizustehen, die Not leiden.

Steh auch uns bei in unseren Leiden.

Zeige uns den Weg der Verwandlung: der Vergebung, der Versöhnung, des Friedens.

Du, Gott, kannst neues Leben schaffen und führst uns aus Schuld und Tod. Jesus Christus lebt, und wir mit ihm. Dafür loben und preisen wir dich – heute und in Ewigkeit.

Amen.

 

Sprechen wir das Vaterunser

 

So segne uns behüte uns und diese Welt der dreieine Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Singen oder Lesen wir zum Abschluss: „Christ ist erstanden“, Lied 99

 

Gesegnete Ostern wünscht Pfr. Peter Söder