Gottesdienst am 10.5.2020 auch als Lesegottesdienst

Liebe Gemeinde, hier der Lesegottesdienst:

Läuten der Glocken

Begrüßung

 

Wir haben uns heute hier versammelt im Namen unseres dreieinen Gottes, im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Liebe Gemeinde, ich grüße sie und euch alle ganz herzlich zu unserem Gottesdienst, heute am Sonntag Kantate („Singet“), dem 4. Sonntag nach Ostern.

Der Wochenspruch ruft uns dabei zu: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“, Ps 98,1.

Gerne würden wir heute und hier genau das tun, aber der heutige Gottesdienst ist ein ganz besonderer, ein anderer.

Besonders ist der Gottesdienst zuerst, weil wir uns wieder versammeln können. Zwar unter Auflagen, und zwar unter reduzierten Plätzen und kurzer Liturgie. Aber wir sind dankbar, dass wir wieder gemeinsam in der Kirche vor Gott stehen und beten können. Und innerlich singen…

Anders ist der Gottesdienst, weil wir etwas noch nicht wieder tun können, nämlich gemeinsam laut zu singen. Deswegen werden wir heute drei Vorträge hören. Und ich bitte alle, sich daran nicht zu stören, dass die Gemeinde noch stumm bleiben muss, allenfalls mitsummen darf. Der Grund: Beim Singen werden einfach mehr Viren verteilt, als sonst. Das ist zwar schade am Sonntag „Kantate“, aber ich bin froh, dass wir auf Musik nicht verzichten müssen:

OR: obwohl es erst so aussah, ist nun doch Orgel – danke an Rainer Wanjelik!

MA: deswegen herzlichen Dank an Beate Beck und Kristina Holler!

Dabei mögen wir aber an die Wunder Gottes denken, besonders das Wunder von Ostern – und eben innerlich mitsingen oder mitsummen!

Herzlichen Dank sage ich zu Beginn auch dem Kirchenvorstand für die Erstellung des Konzeptes für heute – und für die Umsetzung, wie alle beim Einlass gemerkt haben.

 (Info Masken!)

Bevor wir beginnen möchte ich allerdings noch allen Müttern einen schönen Muttertag wünschen!

So feiern wir Gottesdienst und bitten Gott um seinen Segen. Amen.

 

Gebet

 

Schöpfer des Himmels und der Erde, dich preisen alle deine Werke. Lass uns nicht stumm bleiben unter deinen Geschöpfen, die dich preisen, sondern mach unser Leben zu einem Lobgesang auf deine wunderbare Macht und Güte. Zu einem Lobgesang der Worte und Taten, denn singen können wir heute hier noch nicht gemeinsam. Dir aber sei dennoch alle Ehre – und das von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lied 329: Bis hierher hat mich Gott gebracht

 

Lesung: Mt 11,25-30

Jesu Lobpreis und Heilandsruf

25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. 26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. 27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. 28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. 29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

 

Antworten wir auf Gottes Wort und bekennen gemeinsam: Glaubensbekenntnis

Lied 331: Großer Gott

 

Predigt

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde, der Predigttext steht im 2. Buch der Chronik, Kap. 5,2-11: Einweihung des Tempels

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. 3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat gefeiert wird.

4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf 5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.

6 Aber der König Salomo und die ganze Gemeinde Israel, die bei ihm vor der Lade versammelt war, opferten Schafe und Rinder, so viel, dass es niemand zählen noch berechnen konnte.

7 So brachten die Priester die Lade des Bundes des HERRN an ihre Stätte, in den Chorraum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherubim, 8 dass die Cherubim ihre Flügel ausbreiteten über die Stätte der Lade. Und die Cherubim bedeckten die Lade und ihre Stangen von oben her. 9 Die Stangen aber waren so lang, dass man ihre Enden vor dem Chorraum in der Tempelhalle sah, aber von außen sah man sie nicht. Und sie war dort bis auf diesen Tag.

10 Und es war nichts in der Lade außer den zwei Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit Israel geschlossen hatte, als sie aus Ägypten zogen. 11 Und die Priester gingen heraus aus dem Heiligtum.

Kanzelgebet: Zeig uns dein königliches Walten, bring Angst und Zweifel selbst zur Ruh´. Du ganz allein wirst Recht behalten; Herr, mach uns still und rede du. Amen.

Liebe Gemeinde, die beiden Bücher der Chronik dürften den meisten wohl eher unbekannt sein; nicht jedoch deren Inhalt. Denn die großen Erzählungen rings um David und Salomo, die wir wohl eher nach den Büchern 1./2. Samuel und 1./2. Könige kennen, sie kommen mit anderen Akzentsetzung in den Chroniken noch einmal vor.

Allerdings ist in der Chronik vieles etwas trockener und detailversessener beschrieben – und ich finde, das merken wir auch am heutigen Predigttext. Denn etwas ganz Besonderes wird berichtet, die Einweihung des Tempels, nur fehlen dabei merkwürdiger Weise jeglicher Glanz und jegliche Begeisterung. Es wird ein nüchterner Bericht geliefert.

Doch vielleicht passt das heute ja ganz gut auch zu uns. Denn einerseits haben auch wir heute etwas wirklich Besonderes, einen gemeinsamen Gottesdienst. (Hätte ich dies vor Monaten mal gesagt, jeder würde sich wundern. Aber die Zeiten haben sich geändert.)

Andererseits wirkt alles aber auch auf uns gewiss nüchtern. (Nur in MA: Sogar auf den Organisten müssen wir heute verzichten, aber das aus anderen Gründen; für diesen Sonntag war leider keiner frei. Doch selbst mit: wirklich) singen ist nicht möglich, nur ein bisschen mitsummen. Dazu der Abstand, die klaren Regeln für die Plätze und die Laufwege. Ja, es ist alles heute sehr bürokratisch und dadurch gewiss etwas trocken.

Und dennoch: es ist etwas ganz Besonderes. Und das war es damals in Jerusalem auch! Wir versammeln uns wieder vor Gott, genauso, wie es damals die Israeliten wieder tun konnten – im bzw. vor dem Tempel.

Warum aber ist uns allen ein gemeinsamer Gottesdienst in der Kirche so wichtig? Und warum kannten die Menschen zu allen Zeiten ihre „heiligen Orte“?

Die Gemeinschaft

Liebe Gemeinde, mir hat die letzten Wochen die Gemeinschaft sehr gefehlt, die gottesdienstliche Gemeinschaft. Ich hatte zwar das Glück, mich über die Lesegottesdienste mit allen, die diese wahrnahmen, verbunden fühlen zu dürfen – das reale Sehen und Hinspüren an die Gemeindeglieder ist auf diesem Wege aber nicht möglich gewesen.

Das allerdings war mir schon immer so wichtig. Ebenso wie das Wahrgenommen-werden.

Denn schon als Konfirmand galt für mich, dass ich spüren wollte, was gemeinsamer Glaube bedeutete. Das mag natürlich für jede*n anders sein, für mich aber hieß es stets:

Eingebettet zu sein, getragen zu werden, andere mittragen, Hoffnung stärken und Not gemeinsam schultern. Und von Gottes Wundern hören, besonders dem österlichen Wunder des Sieges des Lebens über den Tod, und Gott darüber preisen!

Als Jugendlicher war es nicht immer ganz einfach gewesen, seinen Glauben „zu verteidigen“. Später war es nicht immer leicht, die Zeit dafür zu finden. Und heute ist ein Gottesdienst natürlich für mich auch immer ein Teil meiner Arbeit.

In dem allen aber spüre und spürte ich stets und zu allen Zeiten, dass ich – sobald ich in der Kirche war oder bin – ganz anders mich fühle. Der Glaube ging leichter, die Zeit war trotz Zeitdrucks wertvoll und die Arbeit verschwindet für mich hinter dem Treten vor unseren Gott.

Das aber hat nichts mit damit zu tun, dass die Kirche an sich „heilig“ wäre. Einen heiligen Ort an sich gibt es nämlich gut protestantisch nicht. Aber der Ort wird heilig, und zwar dann, wenn wir gemeinsam auf Gott schauen und vor ihm stehen; wenn es zur Gottesbegegnung kommt. Dass das nun wieder geht, nüchtern und vorsichtig, das bedeutet mir sehr viel (es war merkwürdig, den österlichen Ruf nicht geteilt zu haben). Und es muss den Israeliten damals viel bedeutet haben.

Das Füreinader-Eintreten vor Gott

Besonders greifbar wird die Gemeinschaft für mich auch immer in den gemeinsamen Gebeten. Ganz gleich, ob es nun ein Psalm ist, ein Liedtext, der zum Gebet wird, oder den Fürbitten sowie dem Vaterunser. Durch das „Amen“, dem „So sei es“, verbinden wir uns für- und miteinander. Und natürlich stehen wir damit ganz entschieden für die Schwachen mit ein, für die, die Hilfe brauchen.

Allerdings mag das Gebet auch immer Wurzeln im Leben haben. Dort nämlich, wo ich selbst es wirken kann, dass die Gebetswünsche Realität werden. Und darum ist auch hier die einzige Einschränkung meiner Freude an den Gottesdiensten: da der Schutz der Schwachen immer ein zutiefst christlicher Ansatz ist, darum darf kein Gottesdienst zur Gefahr für jemanden werden. Nur, wenn wir wirklich achtsam sind und einander schützen, nur dann ist die Freude über die gottesdienstliche Versammlung wirklich in mir. Und natürlich gilt das auch für den „Gottesdienst im Alltag“, für alle Begegnungen, die ich sonst habe.

Wenn wir aber so feiern, dass alle geschützt sind, dann ist das Gebet natürlich nicht wegzudenken. Alleine schon deswegen, weil die Worte, die öffentlich gesprochen werden, stets zu meinen werden können, eben wenn ich das „Amen“ spreche. Denn damit kommt vielleicht etwas zu mir dazu, das ich selbst nicht gesprochen hätte, aber ganz mir entspricht; im Bitten, im Danken oder im Lobpreisen.

Der Segen

Ähnlich mag es auch mit dem Segen sein. Natürlich darf jede*r segnen. Viele Eltern machen das auch immer mit ihren Kindern, was mich sehr freut! Und natürlich dürfen wir auch immer uns von Gott gesegnet wissen; umgeben von seiner Liebe.

Dies aber zugesprochen zu bekommen (wenn es wieder geht vielleicht unter Handauflegen) in der Gemeinschaft, das ist emotional noch einmal etwas anderes. Denn es rüstet immer wieder neu aus für den neuen Weg, der gerade „jetzt“ beginnt.

Und was zu allen Zeiten gilt, das gilt dieser Tage umso mehr. Denn wir werden weiter die Zurüstung benötigen. Die Krise wird nicht so schnell vorüber sein. Lockerungen mag es immer mehr geben, aber begleiten wird das Virus auf lange Sicht unser Leben. Hier im Segen zu gehen und zu stehen, das ist mir stets wertvoll.

Das Leben

Und doch gilt und bleibt bestehen: wenn wir nichts, was wir im Gottesdienst leben oder bekennen, mit ins Leben nehmen, in unser aller Alltag, dann ist jede Feier schal und leer. Dann bleibt es nämlich bei einem nüchternen Aufzählen davon, dass ich in der Kirche oder im Gottesdienst war. Dann wäre es ähnlich der nüchternen Sprache des Predigttextes.

Wenn wir es aber mitnehmen – vor allem den einen Gedanken, dass der Schutz der Schwachen uns wichtiger sein sollte als jede (gottesdienstliche) Feier – dann verwandelt sich die Nüchternheit in Lebendigkeit, die Statistik zur Freude.

Denn jeder Gottesdienst möchte immer zweierlei: zum einen „Gott dienen“, ihn loben und preisen, an seine Wunder, besonders das österliche Wunder, denken. Zum anderen aber auch einen „Dienst Gottes“ an uns. Ja, er, unser Gott, er versichert uns stets neu seiner Gegenwart, seiner Liebe, seiner Güte und seines Segens. Damit wir leben, gut leben. Für uns. Für unsere Nächsten. Und für und in dieser Welt.

Und beides können wir noch einmal dem Text der Lesung entnehmen: 

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Ja, Gott selbst will uns erquicken – aber auch uns führen zur liebevollen Demut vor Gott und für den nächsten!

Und in diesem Sinne mag Gott es auch führen, dass wir weiter behütet sind, dass wir einander schützen und so weiter miteinander feiern können. Und natürlich, dass wir aus der Gemeinschaft, dem Gebet und dem Segen leben. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, er bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Lied 326: Sei Lob und Ehr

Abkündigungen

Fürbitten

Gebet nach einem Text von John O'Donohue

Gott, dies ist eine Zeit,
die alles so langsam macht,
in der wir so viel Geduld brauchen.
Wir müssen uns ducken wie hinter eine Mauer, bis das schwere Wetter vorbeigeht.
Wir bitten dich für alle,
die keinen Schutz finden können in dieser Zeit,
für die Kinder,
die in schwierigen Verhältnissen leben müssen,
für die Obdachlosen,
für die Flüchtlinge
und alle Menschen,
die in Armut leben in dieser Welt.
Gott, wir versuchen zu verhindern, dass Zweifel wie eine Bürste aus Draht scharf an unserem Herzen kratzt.
Wir wollen nicht, dass unser Licht verlischt.
Aber wir werden ungeduldig und zaghaft zugleich.
Niemand weiß, was jetzt richtig ist und was falsch.
Wir bitten dich um Geduld und Besonnenheit,
bei allen, die jetzt Verantwortung tragen.
Mach uns klar, dass wir sie mittragen und niemand uns sie abnehmen kann.
Lass uns spüren, dass du mit uns durch dieses finstere Tal gehst.
Gott, lass uns gelassen und großmütig bleiben,
als täten wir jetzt nichts anderes, als den Tisch zu decken
und auf das Fest zu warten,
das kommt.
Die gute Zeit kommt wieder.
Das versprichst du uns.
Einmal gehen wir weiter über grüne Auen.
Dort wird die Luft sanft sein und voller Anfang.
Dann kommen die neuen Tage,
so gewiss wie die Morgenröte aufleuchtet.
Amen

Vaterunser

Segen

Auszug