Christi Himmelfahrt

Der Predigttext für den heutigen Himmelfahrtstag steht in der Apostelgeschichte im ersten Kapitel:

3 Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.

4 Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt; 8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

9 Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. 10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. 11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

Soweit der Predigttext.

 

Liebe Gemeinde, mit der Lesung, die wir vorhin gehört haben, und mit dem Predigttext, der gerade erst verklungen ist, haben wir die beiden zentralen Abschnitte der Bibel zum Thema Himmelfahrt gehört. Nirgends sonst wird das Geschehen der Himmelfahrt wirklich thematisiert – außer an eben diesen beiden Stellen.

Das mag zunächst einmal verwundern, dass es nur hier erwähnt wird. Noch mehr Verwunderung allerdings dürfte auslösen, wenn wir uns bewusst machen, dass wir es hier mit ein und demselben Autor zu tun haben, nämlich mit dem Evangelisten, der Lukas genannt wird. Kein anderer schreibt sonst darüber.

Nun wissen wir über diesen Lukas leider nicht besonders viel, selbst sein Name ist nur eine Vermutung. Das einzige, was wir sicher wissen ist, dass er tatsächlich der Autor beider Werkt, nämlich des Evangeliums und der Apostelgeschichte ist. Denn beide Werke sind ein und derselben Person gewidmet, einem gewissen Theophilus. Zudem wird zu Beginn der Apostelgeschichte auf das zuvor geschriebene Evangelium verwiesen.

Doch macht uns das heute am Himmelfahrtstag froh? Sind wir glücklich, wenn wir etwas feiern, dass nur eine einzige Person – wenngleich zwar doppelt – bezeugt hat?

 

Ja, liebe Gemeinde, wir dürfen froh und gewiss sein, denn die Gründe für diese merkwürdige Situation, sie sind offensichtlich. Denn auch Lukas hätte, da bin ich mir sicher, die Himmelfahrt ausgelassen, wenn er nicht die Apostelgeschichte geschrieben hätte. Andernfalls wäre sein Evangelium nämlich wohl ebenso wie das des Matthäus mit einer Rede Jesu zu Ende gegangen, oder es hätte wie der ursprüngliche Markusschluss mit dem offenen Grab, also der Auferstehung, geendet. Oder er hätte sich an Johannes orientiert, der den Auferstandenen unter den Jüngern sich zeigen ließ. Denn solange es „nur“ – in Anführungsstrichen – um das Leben und Wirken Jesu auf Erden geht, solange ist die Himmelfahrt ein denkbar ungünstiger Abschluss, denn dann würde es wirken, als wäre Jesu Mission zu Ende und das Kapitel Jesu auf Erden vorbei.

 

Blickt man allerdings neben dem Erdenleben Jesu auch auf die Folgezeit, dann ist die Himmelfahrt unablässig. Ja sie ist dann quasi ein „Scharnier“, wie Forscher die Himmelfahrt gerne für das Doppelwerk des Lukas bezeichnen.

 

Denn erst mit der Himmelfahrt kann das einsetzen, was wir in 10 Tagen an Pfingsten feiern werden: das Ausgießen des Heiligen Geistes auf alle Getauften und der Beginn der Kirchengeschichte.

 

Umgekehrt gilt aber auch: wer sich nur für die Zeit nach Jesus sich interessiert, wie zum Beispiel der Apostel Paulus, der ja kein Zeuge von Jesu Erdenwirken gewesen ist, der braucht die Himmelfahrt nicht. Denn Paulus weiß um den bleibenden Eindruck des Wirkens Jesu auf Erden und muss darum, wenn er sein Leben sonst schon nicht schildert, auch die Himmelfahrt nicht thematisieren.

 

Wir können also festhalten, am Ende eines – zugegeben – etwas komplizierten Gedankenganges, dass die Himmelfahrt für uns ein festes Ereignis ist, wenngleich sie nur durch Lukas bezeugt ist.

Was können wir aus diesem Vorwissen lernen? Ich denke, die Lehre ist zweierlei: Zum einen gilt: Alle Dinge sollten in sich einen sinnvollen Anfang und ein sinnvolles Ende haben. Sowohl die, Evangelisten Mt, Mk und Joh haben das beherzigt, indem sie nur den irdischen Jesus uns vor Augen malten, als auch die Autoren rund um Paulus taten dies, indem sie nur die Folgezeit im Auge hatten.

Zum anderen gilt aber auch: wer zweierlei vorhat, der sollte beides sinnvoll miteinander verknüpfen, wie es Lukas mit der Himmelfahrt getan hat.

 

Beide Erkenntnisse sind aber für unser Leben als Christin und Christ wichtig. Blicken wir zunächst auf den sinnvollen Rahmen einer Aktion. Wie oft kommt es in unserem Leben vor, dass wir geneigt sind, etwas einfach abzubrechen. Dabei rede ich jetzt weniger von der Schule, einer Ausbildung oder einem Studium, auch wenn es auch dafür gilt. Was ich aber meine sind Beziehungen untereinander. Sowohl Ehen, Partnerschaften als auch engere wie weitere Freundschaften sind hier zu nennen. Oftmals geht uns Menschen dabei nämlich der Atem aus. Der oder die andere wird uns anstrengend, lästig oder gleichgültig. Das einstmals verbindende Band ist nicht mehr stabil und die Luft ist irgendwie raus. In solchen Situationen erscheint es dann oft als einziger Ausweg die Richtung zu wechseln und den oder die andere links liegen zu lassen. Das aber ist nicht gut – für beide Seiten nicht. Wo man nämlich ohne guten und tragfähigen Abschluss auseinander geht, da bleiben Wunden bei allen zurück. Wo man hingegen in Liebe offen miteinander redet, wo man Probleme benennt, diskutiert und nach Lösungen sucht, da stößt man dem anderen nicht vor den Kopf, selbst wenn man anschließend getrennte Wege gehen sollte.

 

Ebenso mit allem, was nun ansteht: der weitere Verlauf der Krise.

Hier stehen wir da und rätseln alle, was wohl der beste Weg ist, nun weiterzumachen.

Der Hinweis, dass ein guter Anfang und ein gutes Ende stets sinnvoll sind – und dass beides miteinander zu verknüpfen ist, der würde sehr helfen, finde ich.

Jeder kann und mag streiten, ob die damals getroffene Strategie richtig war – ich sage offen, ich glaube ja. Aber aus meiner Sicht fehlte ein guter und klarer Abschluss bzw. Übergang. Plötzlich ging alles sehr schnell und war unübersichtlich. Und: die Kommunikation, also die Verbindung aus beidem, gelang nicht überall. Die Folgen davon konnte oder musste man dann aber auf der Straße sehen, nicht zuletzt in zahlreichen Demos, die keinen Abstand mehr kannten.

 

Ja, ich meine, hier sehen wir das Behauptete, dass neben klarem Anfang und klarem Ende auch immer die Vermittlung da sein muss.

 

Biblisch und göttlich aber gab es diese Vermittlung. Und es gab dann auch einen neuen klaren Anfang. Die Vermittlung war der Geist Gottes – und der neue Anfang war Pfingsten. Ein großes und sehr bedeutendes Fest, zumindest früher. Ich lese ja gerne historische Romane. Und im Mittelalter war Pfingsten oftmals so bedeutend, dass dort die großen Entscheidungen getroffen wurden und Hoftage stattfanden.

Für uns heute aber hat Pfingsten diese Stellung verloren, leider. Und die Himmelfahrt als Scharnier, als Vermittlung und als Übergang leider ebenfalls. Einzig der Geist Gottes hat seinen Platz behalten, aber oftmals sehr unbestimmt.

 

Umso mehr wünsche ich mir, dass wir diese besonderen Feste und deren Bedeutung neu in den Blick bekommen. Denn die Bedeutung ist eigentlich nicht groß genug zu beschreiben, heute die Bedeutung von Himmelfahrt. Denn Gott hat uns zweierlei gezeigt damit:

 

  1. Die Verantwortung für die Erde und unser Leben liegt in unseren Händen. Christus ist zum Himmel aufgefahren und hat den Geist verheißen. Dieser aber befähigt uns, das Leben auf Erden zu gestalten – verantwortlich für alle zu gestalten
  2. Der Weg in den Himmel ist offen, in die Ewigkeit der Liebe Gottes. Es gibt keine Trennung mehr. Umso mehr mögen wir den Auftrag zum Gestalten – zum Wohle aller – annehmen. Ohne Furcht, darin zu versagen, denn Gottes Geist ist unser Begleiter. Dies werden wir Pfingsten feiern.

So mag uns Gott weiter führen und begleiten. Uns stärken und uns Vertrauen verleihen. Um stets neu zu finden: einen guten Anfang, ein gutes Ende – und eine gute Vermittlung zwischen beidem. Amen.